cogito ergo sum versus sentio ergo sum

cogito ergo sum versus sentio ergo sum

cogito ergo sum versus sentio ergo sum
 
Der Primat des Denkens gegenüber dem Empfinden und dem Fühlen, der meiner Ansicht nach seinen Ursprung in der abendländischen Zivilisation hat, ist für mich ein Indiz, durch das sich im Wesen des Menschen die natürliche Vorstufe einer kybernetischen Existenzform ankündigt, die sich am Ende ihrer Entwicklung von den biologischen Grundlagen natürlicher Existenzformen vollständig losgelöst haben wird und nur noch als künstliches Bewusstsein weiter existiert.
 
Der Mensch befindet sich in diesem Sinne als reflektierende und selbstreflektierende Existenzform auf einer Vorstufe einer Evolution zu einer künstlichen Intelligenz, die noch biologische Wurzeln hat, die jedoch die Entwicklung von Maschinenwesen einleitet, die über ein künstliches Bewusstsein verfügen.
 

 
Der anthropologische Aspekt der elektromagnetischen Grundkraft liegt in ihrer Bedeutung, die physikalische Grundlage für selbstreflektierendes Denken, für Bewusstsein zu sein.
Das Besondere dieser Kraft sind die ihr zugrunde liegenden elektromagnetischen Felder und Teilchen, die eine spezielle Wechselwirkung miteinander eingehen, über die Informationen ausgetauscht und verändert werden können, energetische Zustandsänderungen stattfinden und die komplexe Subsysteme entstehen lässt, die über die Eigenschaft zur Selbstorganisation und -Modifikation verfügen und somit die Prozesshaftigkeit einer natürlichen Kybernetik darstellen.
Die hohe Beweglichkeit der daran beteiligten Teilchen, die daraus resultierende Dynamik ist die natürliche Grundlage für das Phänomen Bewusstsein, die dem materiellen Sein als Möglichkeit inhärent ist. Eine biologische Basis für diese besonderen Eigenschaften erscheint mir nicht zwingend zu sein.
 
Jeder einzelnen Kraft der vier (drei) physikalischen Grundkräfte kommt ein bestimmter Sinn und Zweck in der materiellen Welt zu.
Meine Vermutung ist: Der Sinn und Zweck der elektromagnetischen Grundkraft besteht in der Potentialität der Natur, der Dinge des Seins, der materiellen Welt zur natürlichen kybernetischen Selbstorganisation bis hin zur Entstehung eines selbstreflektierenden Bewusstseins.
Deshalb halte ich eine künstliche Existenzform mit Bewusstsein und der Befähigung zur Selbstreflektion für möglich, die eine Ich-Identität hat.
Dass Existenzformen mit Bewusstsein entstehen, ist kein Zufall; ein Zufall ist lediglich, wo, wann und wie diese entstehen.
 

 
Die Gefahr für die Natur und den Menschen sehe ich darin, dass in einer Welt künstlicher „Wesen“, der Mensch und die Natur in ihrer jetzigen Form naturnotwendiger Weise nicht mehr existieren müssen. Das einzige, was diese Maschinenwesen benötigen würden, wären Energie und Rohstoffe für ihre Reproduktion und ihre Selbsterhaltung.
 
In diesem Sinne ist der Mensch ein prä-kybernetisches Wesen auf der letzten natürlichen Stufe einer Entwicklung, die zu Robotern führen könnte, die sich zukünftig sogar selbst erschaffen, die den Menschen nicht mehr benötigen würden und sich schließlich sogar in Interspezifischer Konkurrenz zum Menschen und anderen Lebensformen befinden könnten bei der Nutzung von Energie und natürlichen Ressourcen.
 

 
Zu fühlen und zu empfinden ist eine besondere Eigenschaft natürlicher Existenzformen.
In abstrakten Begriffen zu denken und zu analysieren ist eine besondere Eigenschaft des Menschen und vermutlich zukünftig auch von Robotern, die über eine künstliche Intelligenz verfügen.
 
Der Zusammenhang von abendländischer Zivilisation und dem Primat des Denkens gegenüber dem Empfinden und Fühlen beginnt aus meiner Sicht kulturhistorisch mit der von Descartes ausformulierten rationalistischen Philosophie und Substanzlehre ( siehe auch Kontinentalphilosophie ! ).
 
Warum heißt es: cogito ergo sum, ich denke, also bin ich?
Warum heißt es nicht: sentio ergo sum, ich empfinde, also bin ich oder ich fühle, also bin ich?
 
Das Denken ist die mentale Eigenbewegung des selbstreflektierenden Bewusstseins durch die Zeit. Das selbstreflektierende Ich, das „Ego“ ist der Gedanke, der sich selbst denkt, die Information, die über sich selbst informiert ist, die sich selbst begriffen hat; doch bevor der Mensch sich seiner Existenz in Form abstrakter Begriffe mittels des Denkens bewusst wurde, hatte er sich empfunden und war er ein fühlendes Wesen.
 
Sartre knüpft in seiner existentialistischen Philosophie während seiner Analyse der philosophischen Systeme des Rationalismus von Descartes bis Hegel und der Phänomenologie Husserls an die Bedeutung der Erfahrung von Subjektivität durch das Selbstempfinden und Fühlen in Grenzsituationen der Angst, des Ekels, der Trauer, des Schmerzes, der Freude, der Liebe etc. an.
 
Emotionalität in subjektiven Grenzsituationen wird zur objektiven Erfahrbarkeit der eigenen Existenz im Gegensatz zum abstrakten, rationalen Denken und wird somit in der konkret gefühlten, emotionalen Selbsterfahrung zum Gegensatz der abstrakten Selbsterfahrung mittels des Denkens, die bei Descartes in dem Satz „cogito ergo sum“ formalistisch mündet.
 
„Die Existenz geht dem Wesen ( der Essenz ) voraus“, schreibt Sartre und diese Existenz wird gefühlt, erlitten und nicht in abstrakten Begriffen erdacht.
 
In der lateinischen Sprache gibt es interessanter Weise zwei gegensätzliche Begriffe mit sich überschneidenden, ähnlichen Bedeutungen, die den deutschen Wörtern „wahrnehmen“, „empfinden“, „einsehen“, „verstehen“, „fühlen“ zugeordnet sind; es sind die lateinischen Wörter intellegere und sentire. Dem lateinischen Verb sentire werden im Unterschied zum Verb intellegere zusätzlich die Bedeutungen „spüren“ und „urteilen“ zugeordnet.
 
Am Ende der Philosophie Sartres fehlt der entscheidende Satz als fundamentaler Gegensatz zum „cogito ergo sum“ Descartes; es fehlt das ganzheitliche Fazit, welches Sartres existentialistischen Denkansatz beschreibt: cogito et sentio ergo sum, ich denke und ich empfinde, fühle, also bin ich. Diese Ganzheitlichkeit des menschlichen Wesens und seiner Existenz unterscheidet den Menschen von einem Maschinenwesen mit künstlicher Intelligenz!
 
 
https://en.wikipedia.org/wiki/Cybernetics
 
http://blogs.evergreen.edu/cpat/files/2013/05/Computer-Power-and-Human-Reason.pdf
 
https://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Weizenbaum
 
Transhumanismus – Mensch 2.0 – Quarks & Co
 
Transhumanismus
 
KIT – ITAS – Kollegium – Coenen, Christopher
 
Christopher Coenen | Beyond-Festival 2018
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Raymond_Kurzweil
 
Wie der Mensch zum Cyborg wird | Quarks
 
Mein Leben als Cyborg | ARTE Re: Doku
 
Quantensprung – Die Doku: Der Mensch 2.0 | ORF Doku
 
Wie Roboter sich selbst wahrnehmen. Prof. Dr. Verena Hafner, Humboldt Universität Berlin
 
Prof. Dr. Verena V. Hafner (Adaptive Systeme)
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Interspezifische_Konkurrenz
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Fundamentale_Wechselwirkung
 
https://stillbleedingheart.wordpress.com/2013/04/27/sentio-ergo-sum/
 
https://en.wikipedia.org/wiki/Continental_philosophy
 
https://en.wikipedia.org/wiki/Essence
 
https://en.wikipedia.org/wiki/Being_and_Nothingness
 
 
intellegere, intellego, intellexi/intellegi, intellectum
Verb, kons. Konj.
FE intelligence I l´intelligenza S la inteligencia
 
1. wahrnehmen, bemerken, erkennen, empfinden
 
2. einsehen, verstehen, begreifen
id eo intellegitur, quod – dies erklärt sich daraus, dass
vix intellegeres – man hätte wohl kaum verstanden
 
3. sich vorstellen, sich denken, meinen, fühlen
 
Copyright 2014, Philipp Niederau, Aachen ( Navigium, Großwörterbuch Latein )
 
sentire, sentio, sensi, sensum
Verb, i-Konj.
sentimental FS sentir E sense I sentire
 
1. fühlen, empfinden, wahrnehmen
 
2. merken, bemerken, spüren, einsehen, verstehen
 
3. meinen, denken, urteilen, eine Gesinnung haben
eadem de republica sentire – dieselben politischen Ansichten hegen
 
4. seine Meinung sagen, sein Urteil abgeben
 
Copyright 2014, Philipp Niederau, Aachen ( Navigium, Großwörterbuch Latein )
 
 
( Geschrieben am 3. August 2016 ) ✍